Der tononi-Qualitäts-Check

Woran erkenne ich die Qualität eines Streichinstruments?
Welches Angebot ist seinen Preis wirklich wert?

Hunderte Arbeitsschritte sind notwendig, bis aus massiven Hölzern ein spielfertiges Instrument entsteht. Bei jedem dieser Schritte sind Entscheidungen für oder gegen eine gute Qualität möglich. Die Summe dieser Entscheidungen bestimmt letztlich die Klangqualität und die Spielbarkeit eines Streichinstruments.

Schon beim Kauf ist es von Vorteil, auf Qualität zu achten. So können kostspielige Nachrüstungen oder Reparaturen vermieden werden.

Wenn Sie ein Instrument in die Hand nehmen, erkennen Sie anhand einiger Qualitätsmerkmale, ob sorgfältig gearbeitet und hochwertiges Material verwendet wurde.

Mit dieser Checkliste prüfen Sie die wichtigsten Qualitätskriterien selbst:

Ist das Instrument aus massiven Klanghölzern gefertigt?

Im traditionellen Geigenbau werden die wichtigsten Teile des Instruments, die Decke und der Boden nicht etwa aus dünnen Brettern gebogen, sondern komplett in ihrer gewölbten Form aus einem massiven Fichten- bzw. Ahornbrett herausgeschnitten. Dies ist entscheidend für die Klangentfaltung, denn Decke und Boden müssen frei schwingen und sollten nicht durch unerwünschte Spannungen blockiert werden.

Trotzdem gibt es Instrumente aus Sperrholz, bei dem mehrere Schichten aus dünnem Massivholz kreuzweise übereinander gelegt, in Geigenform gepresst und dabei gleichzeitig verleimt wurden. Mitunter finden sich hierfür auch Bezeichnungen wie »laminiertes Massivholz« oder »laminierte Decke«. Das Ergebnis dieser kostensparenden Bauweise ist ein Korpus, der aufgrund seiner kreuzverleimten Holzschichten so starr ist, dass er nicht mehr frei schwingen kann und daher klanglich gegenüber traditionell gebauten Instrumenten aus massiven Tonhölzern deutlich abfällt. Von Instrumenten aus Sperrholz ist deshalb unbedingt abzuraten.

Sind die Randeinlagen echte Intarsien?

Die beiden schwarzen Zierstreifen am Rand von Decke und Boden, die sogenannten »Adern« oder auch »Einlagen«, sind traditionell nicht etwa aufgemalt, sondern bestehen in der Regel aus zwei dünnen Ebenholzstreifen mit einem Streifen aus hellem Holz in ihrer Mitte, die in Decke und Boden als Intarsien eingelassen sind. Bei genauem Hinsehen erkennen Sie dies daran, dass zwischen den beiden Ebenholzstreifen die Maserung der Decke durch den hellen Holzstreifen ebenfalls unterbrochen ist. Diese Einlagen dienen nicht nur der Optik, sondern vor allem der Stabilität von Decken- und Bodenrand. Da das Einsetzen einer solchen Einlage mit Aufwand verbunden ist, können Sie bei Instrumenten mit aufgemalten Zierstreifen darauf schließen, dass es sich wahrscheinlich um eine sehr einfache Qualität handelt.

Ist der Lack transparent?

Der Lack sollte die Maserung des Holzes nicht überdecken. Tut er es doch, ist die Lackierung möglicherweise zu dick und dämpft so den Klang.

Besteht das Griffbrett aus Ebenholz?

Damit die Saiten nicht schon nach kurzer Zeit tiefe Rillen im Holz hinterlassen, wenn sie beim Spielen auf das Griffbrett gedrückt werden, bestehen gute Griffbretter immer aus Ebenholz, einer sehr harten Holzart.

Aus Kostengründen werden bei manchen Instrumenten trotzdem andere weichere Hölzer verwendet, die schwarz gefärbt oder lackiert sind. Bereits nach kurzer Zeit ist dieser Lack abgegriffen, und die Saiten graben sich in das Holz ein. Ist der abgegriffene Lack mehr ein optisches Problem, führen jedoch die Rillen im Griffbrett unweigerlich zu einem störenden Schnarren der Saiten. Das Griffbrett muss dann vom Geigenbauer abgehobelt werden, wodurch der schwarze Lack endgültig verschwindet.

Sind die Stegfüße exakt an die Deckenwölbung angepasst?

Der Steg überträgt nicht nur die Schwingungen der Saiten auf die Decke des Instruments sondern auch den enormen Druck der Saitenspannung, der auf ihm lastet. Damit der Steg sicher steht und die Stegfüße die Decke nicht beschädigen, müssen diese vollflächig exakt an die Deckenwölbung angepasst sein. Nur so kann der Steg die Saitenschwingung wie gewünscht auf den Korpus übertragen.

Stimmen Höhe und Wölbung des Steges?

Die Höhe des Steges sollte so angepasst sein, dass alle Saiten einen ausreichenden Abstand zum Griffbrett haben, damit sie auch bei kräftigem Spiel frei ausschwingen können und nicht auf das Griffbrett aufschlagen. Dieser Abstand, auch »Saitenlage« genannt, sollte jedoch andererseits nicht zu groß sein, da sonst das Abgreifen der Saiten unnötig viel Kraft erfordert. Generell kann man sagen, dass die Saitenlage bei hohen Saiten stets flacher ist als bei tiefen Saiten, die stärker ausschwingen und daher mehr Platz benötigen.

Die Stegwölbung sollte so ausreichend rund sein, dass alle Saiten bequem einzeln angestrichen werden können, ohne dass das Bogenhaar dabei eine Nachbarsaite oder den Rand des Instruments berührt.

Hat das Instrument leichtgängige Ebenholzwirbel?

Wie das Griffbrett, so sollten auch die Stimmwirbel aus stabilem und hartem Holz gefertigt sein, denn sie müssen die Saitenspannung aushalten. Hier empfiehlt sich wiederum das Ebenholz. Die Wirbel müssen gut in den Wirbelkasten des Instruments eingepasst und mit Wirbelpaste geschmiert sein, damit sie einerseits gut halten und nicht selbständig abrutschen. Andererseits sollen sie sich aber noch leicht genug bewegen lassen ohne zu »knacken«.

Durch klimatische Veränderungen, etwa in der winterlichen Heizperiode mit ihrer trockenen Luft, können auch gut gepflegte Wirbel von selbst herausspringen. Dies ist ein normaler Vorgang, der durch regelmäßiges Stimmen und gleichzeitiges Hereindrehen der Wirbel vermieden werden kann.

Verfügt der Saitenhalter über vier integrierte Feinstimmer?

Für Kinder und Anfänger ist das Stimmen an den Wirbeln sehr schwierig. Bei kleinen Kinderinstrumenten kommt hinzu, dass die Saiten kürzer sind als bei der Normalgröße. Hier bewirkt bereits eine minimale Drehung des Wirbels eine große Veränderung der Tonhöhe, so dass sogenannte »Feinstimmer« das Stimmen sehr erleichtern. Diese sind am Saitenhalter angebracht und verfügen über eine präzise Schraubmechanik, in die das andere Ende der Saiten eingehängt wird.

Professionelle Spieler benutzen meistens lediglich einen Feinstimmer für die E-Saite, die in der Regel aus Stahl besteht, vergleichsweise wenig dehnbar ist und deshalb nur mühsam per Wirbel gestimmt werden kann. Hier wird ein einzelner Feinstimmer in den Holz-Saitenhalter eingeschraubt.

Kinder und Anfänger benötigen jedoch unbedingt je einen Feinstimmer für jede Saite. Hier ist es zwar technisch möglich, einen Holzsaitenhalter mit vier einzelnen Feinstimmern aus Metall auszustatten. Dies ist aus klanglichen Gründen jedoch nicht zu empfehlen, weil diese Konstruktion so schwer ist, dass sie durch ihr hohes Gewicht die Schwingung der Saiten dämpft.

Empfehlenswert sind statt dessen sogenannte »Feinstimmsaitenhalter«, in die vier Feinstimmer bereits fest integriert sind. Weit verbreitet sind Modelle aus Aluminium. Besser eignen sich jedoch solche aus High-Tech-Kunststoff, die so leicht sind, dass sie die Schwingung der Saiten nicht behindern.

Violoncelli, die heute üblicherweise fast ausschließlich mit Stahlsaiten bespannt werden, benötigen aus diesem Grund immer einen Feinstimmsaitenhalter. Selbst Profi-Cellisten möchten ihn nicht missen.

Sind die Feinstimmer leicht drehbar?

Wie bei vielen wichtigen Details, lassen sich auch bei Saitenhaltern Kosten einsparen. Bei billigen Aluminium-Feinstimmsaitenhaltern haben sich allerdings die Schrauben der Feinstimmer als wenig haltbar erwiesen. Sie verklemmen sich unter der Belastung der Saitenspannung bereits nach wenigen Umdrehungen. Hier lohnt es sich, auf Qualität zu achten, da die Feinstimmer täglich benutzt werden.

Ist die Besaitung hochwertig?

Die Wahl der Saiten hat großen Einfluss auf Klang, Ansprache und Spielkomfort des Instruments. Bei Geigen haben sich Saiten mit Kunststoffkern bewährt, da sie nicht nur runder und freundlicher klingen, sondern auch weicher und angenehmer zu greifen sind als solche mit Stahlkern. Bei Bratschen sind Kunststoffkernsaiten und Saiten mit gewickeltem Stahlkern gleichermaßen beliebt. Für Violoncelli und Kontrabässe sind Stahlsaiten mit starrem oder auch gewickeltem Stahlkern zu empfehlen.

Ist der Stachel bei Celli und Bässen stabil und leicht verstellbar?

Der Stachelstab sollte sich leicht aus der Stachelbirne herausziehen lassen und mit wenig Kraftaufwand durch Drehen der Schraube sicher arretiert werden können.

Unpraktisch sind solche Stachel, an deren Spitze eine Mutter auf den Stachelstab aufgeschraubt ist, die als Arretierung beim Hereinschieben dient. Diese Mutter kann sich beim Spielen durch die Vibration des Stachels lockern und macht dann durch klirrende Geräusche auf sich aufmerksam. Häufig geht sie aber auch unbemerkt verloren, und der Stachel fällt beim nächsten Hineinschieben in das Instrument hinein, was einen Besuch in der Geigenbauwerkstatt nötig macht. Unser Tipp: Achten Sie daher darauf, dass die Spitze des Stachels fest mit dem Stab verbunden ist.

Sind die Geigen- oder Bratschenkoffer stabil und praktisch?

Ein guter Instrumentenkoffer zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

Stabilität der Schale
Wird das Instrument zusammen mit einem Etui im Set angeboten, hat dieser Koffer meistens einen Kern aus einfachem Styropor. Manchmal findet sich hierfür auch die Bezeichnung »Thermokern«. Styroporkoffer haben zwar den Vorteil eines geringen Gewichts. Die Styroporschale hat aber auch den Nachteil, dass Deckel und Boden unter Druck nachgeben und schlimmstenfalls sogar brechen können. Empfehlenswert, weil deutlich robuster, sind deshalb Koffer mit einem Kern aus mehrschichtigem Sperrholz, obgleich sie etwas schwerer sind.

Qualität der Reißverschlüsse
Die Reißverschlüsse sind zum sicheren Schließen des Koffers unverzichtbar, denn nur sie können ein unbeabsichtigtes Öffnen des Deckels verhinden, wenn z. B. das Schloss unbemerkt geöffnet wurde. Achten Sie darauf, dass die Reißverschlüsse mühelos laufen und die Griffe der Schieber nicht zu dünn sind. Sie könnten sonst leicht abbrechen.

Nicht vergessen: Rucksackgurte sind ein absolutes Muß!

Sind die Cellotaschen mindestens 20mm dick gepolstert?

Eine gute Cellotasche zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

dicke Polsterung
Die Polsterung sollte mindestens 20mm dick sein, damit Ihr Cello unterwegs möglichst gut vor Beschädigungen geschützt ist.

Qualität der Reißverschlüsse
Ein defekter Reißverschluss würde die Cellotasche unbrauchbar machen. Achten Sie darauf, dass die Reißverschlüsse mühelos laufen und die Griffe der Schieber dick genug sind. Sie könnten sonst leicht abbrechen.

Nicht vergessen: Rucksackgurte sind ein absolutes Muß!

Gibt es eine bequeme Rucksackgarnitur?

Rucksackgurte: ein absolutes Muß!
Für einen sicheren und bequemen Transport (insbesondere auf dem Fahrrad) ist es sehr praktisch, den Geigen- oder Bratschenkoffer, bzw. das Cello wie einen Rucksack auf den Rücken zu schnallen. Deshalb sollte Ihr Geigen- oder Bratschenkoffer bzw. Ihre Cellotasche unbedingt mit einer bequemen Rucksackgarnitur ausgerüstet sein.

 

 

 

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